Maria Sibylla Merian (*1647; gest. 1717) -Namenspatronin unserer Apotheke im Yorckgebiet

“Eine kosmopolitische Allrounderin im Barockzeitalter”

 

Die Person

 

Ahnt man, was für eine abenteuerlustige Person hinter all den Abbildungen der zierlichen Blumen, Raupen und Schmetterlingen steckt, die wir von ihr überliefert bekommen haben? 

Sicherlich nicht auf den ersten Blick. 

 

Doch wir wollen einmal hinter die Kulissen schauen und diese äußerst bemerkenswerte Frau kennen lernen: unerschrocken, unkonventionell, ihrer Zeit voraus – im Beruflichen wie im Privaten. Und das war gewiss nicht leicht, Ende des 17. Jahrhunderts. Was sich Maria Sibylla Merian vornahm, setzte sie zielstrebig in die Tat um. Man kennt 'die Merian' als Künsterin, naturwissenschaftliche Forscherin, Geschäftsfrau und Verlegerin in einer Person. Später sogar als eine allein erziehende Mutter mit Entdeckerambitionen, die sich und ihren Töchtern ein unabhängiges, selbständiges Dasein ermöglichte.

Kindheit

 

Maria Sibylla Merian wurde 1647 als Tochter des weithin bekannten Verlegers und Kupferstechers Matthäus Merian dem Älteren in Frankfurt am Main geboren. Ihre künstlerische Begabung und ihr immenser Wissensdurst wurden sehr früh deutlich, fanden aber nach dem frühen Tod des Vaters in der Familie keine Unterstützung. So übte sie sich heimlich in einer Dachkammer im Kopieren vorhandener Kunstblätter.

Später beschreibt sie Ihre Jugend mit folgenden Worten:

„Ich habe mich von Jugend an mit der Erforschung der Insekten beschäftigt. Zunächst begann ich mit Seidenraupen in meiner Geburtsstadt Frankfurt am Main. Danach stellte ich fest, dass sich aus anderen Raupen viel schönere Tag- und Eulenfalter entwickelten als aus Seidenraupen. Das veranlasste mich, alle Raupen zu sammeln, die ich finden konnte, um ihre Verwandlung zu beobachten. Ich entzog mich deshalb aller menschlichen Gesellschaft und beschäftigte mich mit diesen Untersuchungen."

Maria Sibylla Merian war also eine "Self-Made- Frau", wie man heute sagen würde. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass sie sich neben ihrem berühmten Vater mit Blumen- und Insektenbildern sehr wohl einen eigenen Namen machte. Apropos "Namen machte'" -  Carl von Linne`, der Vater der modernen botanischen und zoologischen Systematik, las in ihren Büchern und verwies bei seinen eigenen Erkenntnissen immer wieder auf "Frau Merian" und ihre Darstellungen von Pflanzen und Insekten, die sie mit großer Detailtreue und in delikater Farbigkeit zeichnete.

 

Am 16. Mai 1665 wurde Maria Sibylla Merian mit Johann Andreas Graff getraut. Leider war er ein trinkfreudiger Mann, unausgeglichen, seiner Frau geistig und in Hinblick auf künstlerische Leistung und Zielstrebigkeit unterlegen und daher von Minderwertigkeitsgefühlen geplagt. Graff arbeitete in Frankfurt als Maler. Im dritten Ehejahr kam die erste Tochter, Johanna Helena, zur Welt.

1670 übersiedelte die Familie in Graffs Geburtsstadt Nürnberg. Maria Sibylla musste zur Sicherung des Lebensunterhaltes mit vielfältigen Tätigkeiten beitragen. Zur Haupteinnahmequelle der Familie wurde schließlich der Handel mit Farben, Firnis und Malutensilien, den Maria Sibylla Merian betrieb. Sie übernahm daneben eine Vielzahl von Auftragsarbeiten, stickte zum Beispiel Seidendecken oder bemalte Tafeltücher für die Patrizierhaushalte der Stadt. Außerdem unterrichtete sie junge Frauen in der Kunst der Blumenmalerei und -stickerei. Als Vorlagen für diesen Unterricht fertigte Merian Kupferstiche an, die zur Grundlage ihrer ersten Buchveröffentlichung wurden. Das „Neue Blumenbuch“ war gedacht als Musterbuch für stickende Damen. Der erste Teil enthielt einige Kopien fremder Blumenbilder und erschien 1675. Der zweite und der dritte Teil, herausgegeben 1677 und 1680, enthielten eigene Naturstudien.

 

Wenig später ließ sie in zwei Teilen (1679 und 1683) ihr Raupenbuch erscheinen: "Der Raupen wunderbare Verwandlung und sonderbare Blumennahrung", es enthielt die Ergebnisse ihrer langjährigen Beobachtungen. Hier findet sich das Kompositionsprinzip, das sie auch auf ihre späteren Arbeiten anwendete: auf jedem Blatt werden die Entwicklungsstadien der Insekten in Verbindung mit den Pflanzen gezeigt, die ihnen zur Nahrung dienen. Hierbei handelt es sich um eine bedeutende Arbeit, nicht nur für die Entwicklung der Entomologie (wie oben erwähnt), sondern auch als persönliche Energieleistung; denn in die Phase der letzten, anstrengendsten Vorbereitungen im Jahre 1678 fiel die Geburt der zweiten Tochter, Dorothea Maria.

Niederlande

 

Der Bürger von nebenan war oftmals sprachlos und argwönisch. Als sich Maria Sibylla Merian von ihrem Mann trennte, um sich einer protestantischen Glaubensgemeinschaft anzuschließen, verschlug es sicherlich nicht nur ihm die Sprache. Doch der Bruch zwischen Maria Sibylla und ihrem Mann wurde unvermeidlich. So entschloss sie sich 1685 nach zwanzigjähriger Ehe, mit 38 Jahren, zusammen mit ihrer Mutter und den beiden Töchtern (damals 17 und 7 Jahre alt) für unbestimmte Zeit nach Schloss Walta-State im niederländischen Westfriesland zu gehen. Das Schloss gehörte drei Schwestern des Gouverneurs von Surinam, Cornelis van Aerssen van Sommelsdijk; sie hatten es der Glaubensgemeinschaft als Zufluchtsort zur Verfügung gestellt. Dort lebte sie mit Ihren Töchtern und vermittelte ihnen eine umfassende künstlerische Ausbildung, verbesserte ihre eigenen Lateinkenntnisse, begann allmählich wieder, Schmetterlinge und Blumen zu malen und studierte die Sammlung exotischer Schmetterlinge aus Suriname, die sie in Waltha vorfand.

Surinam

 

Restlos unverständig mussten später erst diejenigen gewesen sein, denen sie sagte, dass sie im Jahre 1699 in damals verhältnismäßig hohem Alter mit 52 Jahren patout mit ihrer Tochter Dorothea nach Surinam segeln wollte - in ein grausam-gefährliches, exotisches und sumpfiges Land, um die Wunder der Natur zu erforschen, zwei Jahre lang.    Über ihre Intention schrieb sie im Vorwort zu „Metamorphosis insectorum Surinamensium:

“In Holland sah ich jedoch voller Verwunderung, was für schöne Tiere man aus Ost- und West-Indien kommen ließ, … In jenen Sammlungen habe ich diese und zahllose andere Insekten gefunden, aber so, dass dort ihr Ursprung und ihre Fortpflanzung fehlten, das heißt, wie sie sich aus Raupen in Puppen und so weiter verwandeln. Das alles hat mich dazu angeregt, eine große und teure Reise zu unternehmen und nach Suriname zu fahren (ein heißes und feuchtes Land …), um dort meine Beobachtungen fortzusetzen.”

Ausgehend anfangs von der Landeshauptstadt Paramaribo, später von der 65 km entfernten Gemeinde Providentia, unternahmen die beiden Frauen ihre Exkursionen in die schwer zugänglichen Urwälder. Dort beobachteten, zeichneten oder sammelten sie alles, was sie über die tropischen Insekten entdecken konnten. Ihre Einteilung der Schmetterlinge in Tag- und Nachtfalter (von ihnen als Kapellen und Eulen bezeichnet) ist bis heute gültig. Pflanzennamen übernahmen sie aus dem Sprachgebrauch der Indianer. Nach zweijährigem Aufenthalt war die nun 54jährige Maria Sibylla den Anstrengungen nicht mehr gewachsen und erkrankte heftig an Malaria.

 

Am 23. September 1701 trafen sie und ihre Tochter wieder in Amsterdam ein. Unabhängig von den wissenschaftlichen Resultaten waren es vor allem die äußeren Umstände der Reise, die für Aufsehen sorgten. Eine Frau um 1700, ohne männlichen Schutz, allein von ihrer Tochter begleitet, wochenlang auf einem Handelsschiff unterwegs, um zwei Jahre lang tagsüber in Begleitung einiger Indianer bei feucht-heißem Klima in äquatornahen Urwäldern ihrer wissenschaftlichen Arbeit nachzugehen – allein schon diese Leistung verschaffte ihr in Europa nachhaltig Ruhm und Respekt.

Lebensabend

 

Zurück in Amsterdam machte sie sich daran, die Ergebnisse ihrer Arbeit zu veröffentlichen. Sie stellte die mitgebrachten Objekte aus, was ihr großen Zuspruch einbrachte. Ihre Zeichnungen und Sammelobjekte dienten der Merian als Vorlagen für Pergamentmalereien, nach denen 60 Kupferstiche für ein großformatiges Prachtwerk über die Flora und Fauna Surinames, insbesondere über die dort lebenden Insekten angefertigt wurden. Mehrere Kupferstecher arbeiteten drei Jahre lang daran. 1705 erschien in ledernem, goldverziertem Einband das Hauptwerk der Maria Sibylla Merian: "Metamorphosis insectorum Surinamensium".

Der wichtigste Teil ihrer Schmetterlingssammlung gelangte auf Umwegen in die private Kollektion des Bankiersohnes Johann Isaak von Gerning (1767–1837) in Frankfurt am Main, mit der später das Naturhistorische Museum Wiesbaden gegründet wurde.

 

Maria Sibylla Merian starb, zu Lebzeiten bereits als große Naturforscherin und Künstlerin anerkannt, 1717 im Alter von 69 Jahren in Amsterdam. Im Totenregister wurde sie als "unvermögend“ bezeichnet, man beerdigte sie in einem Armengrab, das heute nicht mehr aufzufinden ist.

Lebenswerk

 

Maria Sibylla Merian gehörte zu den ersten Forschern, die Insekten systematisch beobachteten und etwas über deren tatsächliche Lebensumstände herausfanden. Sie konnte zeigen, dass jede Schmetterlingsart als Raupe von einigen wenigen Futterpflanzen abhängig ist und ihre Eier nur an diesen Pflanzen ablegt. Vor allem die Metamorphose der Tiere war weitgehend unbekannt. Zwar wussten einige Gelehrte von der Verwandlung von Raupen in ausgewachsene Schmetterlinge, weiteren Kreisen der Bevölkerung aber, auch vielen Gebildeteren, war der Vorgang fremd. Merian trug entscheidend dazu bei, dies zu ändern, nicht zuletzt, weil ihr Buch "Der Raupen wunderbare Verwandlung und sonderbare Blumennahrung“ in deutscher Sprache erschien. Aus demselben Grund allerdings versagten ihr viele Wissenschaftler jener Zeit die Anerkennung – die Fachsprache der Gelehrten war Latein.

Namenspatronin der Apotheke

 

Diese Frau, die schon als 13- jähriges Kind die Geheimnisse der Schmetterlinge untersucht und die im 17. Jahrhundert alleine nach Südamerika in den Dschungel von Surinam reist, um die Insekten- und Pflanzenwelt zu beobachten, eine Frau, die vielen ihrer Zeitgenossen des 17. und 18. Jahrhunderts weit voraus ist und als eine der ersten modernen Naturwissenschaftlerinnen gilt, ein Frau, die sich gegen Widerstände durchsetzt, um ihren Lebensweg zu gehen, eine solche Frau dient uns als Leitbild für unsere Apotheke hier im Yorckgebiet. Warum?

 

Weil sie selbstständig, beharrlich, mutig und offen für Neues aber auch sorgfältig und kreativ gewesen ist, und weil wir glauben, dass diese guten Eigenschaften notwendig sind, um die Herausforderungen im Gesundheitswesen in der heutigen Zeit im besten Sinne für unsere Patienten zu bewältigen.

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